Thailand – Tag 6: In Nathon

Zuallererst muss ich einen Urschrei und ein Riesenlob loswerden: Ich kann wieder sehen! Und das seit gestern. MacKenzie war bei ihrem Trip nach Chaweng vor dem Geschäft des Optikers vorbeigekommen, bei dem ich zwei Tage vorher meine neue Brille geordert hatte. Sie war von ihm sofort erkannt worden, er aus dem Geschäft gestürzt und hatte ihr meine neue Brille überreicht, die zwei Tage früher fertig geworden war. Wer hätte das gedacht und erwartet: Eine individuell angefertigte Brille (Gläser und Fassung wurden aus zwei anderen Brillenmodellen kombiniert, was möglich war, da es sich um ein randloses Gestell handelte) mit der für mich angepassten Stärke der Gläser innerhalb von zwei Tagen! Und dann erkennt der Optiker noch eine der Begleitpersonen des Kunden auf der Straße (wir waren zu viert in dem Geschäft)! Solch einen Service will ich auch in Deutschland beim Optiker.

An diesem Morgen wich unsere kleine Reisegruppe ein wenig von der seit dem Urlaubsbeginn gepflegten Morgenroutine ab und ging nicht beim Thailänder um die Ecke essen. Ishtar verspürte große Lust nach etwas kulinarischer Abwechslung, der wir anderen gerne folgten. Wir organisierten uns daher ein Taxi nach Nathon, der Inselhauptstadt im Westen von Koh Samui, wo auch die Fähren vom Festland anlanden.

Vorher allerdings brachten MacKenzie und ich noch unsere dreckige Wäsche in die nächste Laundry. Wäschereien findet man auf der Insel sehr viele. Meistens existieren sie in Union mit einem kleinen Laden, der Vermietung von Motorrollern oder ähnlichen Angeboten. Diese Laundry schien sich aber tatsächlich auf ihre Tätigkeit als Wäscherei spezialisiert zu haben. Ein kleiner Feldweg führte uns von der Hauptstraße ab zu einem Hof, von wo aus wir schon zahlreiche behangene Wäscheleinen entdeckten. Einige davon schienen Bettwäsche von nahegelegenen Resorts oder Hotels zu halten. Das Geschäft schien sehr gut zu laufen, wie auch der Blick in das momentan nach außen offen stehende Wohnhaus zeigte. Der Preis für ein Kilo Wäsche betrug hier 50 Baht, also für uns Touristen etwas mehr als einen Euro. Zusätzlich konnte man für einen kleinen Aufpreis seine Wäsche bügeln lassen, was wir gerne in Anspruch nahmen. Als Abholdatum bekamen wir “tomorrow evening” (Sonntag) genannt.

Hiernach warteten wir auf ein vorbeikommendes Taxi, welches uns nach Nathon bringen sollte. Wie so üblich um diese frühe Uhrzeit standen wir uns erst einmal zehn Minuten die Beine in den Bauch, bevor sich ein Taxi zeigte. Ich stürzte mich in die Verhandlungen, und erwartete wegen der größeren Entfernung fast auf die andere Seite der Insel einen Preis von circa 500 Baht für uns vier. Der Fahrer nannte 400 Baht als Aufgangsbasis, was ich dann in meiner Überraschung sofort akzeptierte. Ein Zeichen, daß ich noch dringend Nachholbedarf in Sachen feilschen habe. Sich einen gedanklichen Maximalpreis zu setzen, ist ein guter erste Schritt. Jedoch sollte man ein Angebot nicht sofort akzeptieren, welches dieses unterschreitet. Vermutlich hätte der Fahrer auch 300 Baht oder sogar noch weniger akzeptiert; zumindest hätte man es versuchen können. Ein weiteres Zeichen für diese Aktion war das Angebot des Fahrers in Nathon, bei ihm gleich die Rückfahrt zu buchen; witterte er hier also gleich ein erneutes gutes Geschäft.

In Nathon wanderten wir in eine Lokalität gegenüber des Piers namens “Roung Thong Bakery”. Laut Ishtar war dies eine Weile das Backpacker-Lokal der Stadt, mittlerweile erinnert nur noch der Name daran, da die Bakery weiter in die Innenstadt gezogen ist. Ich entschied mich leider aus dem Angebot der Suppen für eine mit Tofu, Schwein und verschiedenen Gemüsen, was sich aber hinterher als eine Standardbrühe mit Hackbällchen, Kohl, Brokkoli, Möhren, usw. entpuppte, worauf ich gut hätte verzichten können.

Nach dem Essen trennte sich unsere Gruppe. MacKenzie und ich wanderten durch Nathon City, statteten unter anderem einem Buchladen, der Post, dem Markt und zwei Malls einen Besuch ab, wobei eine davon die lokale Filiale von Tesco war. Als wir dort eintraten, fühlten wir uns gegenüber der Umgebung der Stadt wie in einer anderen Welt. Es war alles bis zum Hochglanz sauber, wirkte fast steril; die Regele waren von der Kategorisierung ähnlich bepackt, und im Eingangsbereich waren eine Reihe von kleineren Läden wie eine Kaffeebar oder ein Optiker. Vom Aufbau her hätten wir uns damit auch in einem europäischen Walmart oder einem deutschen Rewe befinden können, nur waren natürlich die Waren asiatisch. An der Frischfleisch- und Frischfischtheke herrschte zudem Selbstbedienung vor: Die Waren lagerten wie am Markt frei aus und konnten wie in Deutschland Gemüse oder Obst vom Kunden selbst in Tüten verpackt und mitgenommen werden. Hier sah man natürlich einiges, was es zumindest in Deutschland so in den meisten Geschäften nicht gäbe, wie beispielsweise frische Muscheln.

Um 1300 trafen wir uns wieder uns buchten die Rückfahrt in einem Pickup-Taxi. Hier wurden uns sofort als Preis sehr günstige 60 Baht pro Person, also insgesamt 240 Baht vorgeschlagen; vermutlich auch deswegen, weil hier im Pier sechs von den Pickups und circa zehn gewöhliche Taxen standen – Angebot und Nachfrage. Die mitreisenden Passagiere waren zum Teil im Übrigen speziell. Besonders ein Pärchen, das in einem Resort ein- und vor einer Shopping-Mall wieder ausstieg, wirkte auf uns extrem erschreckend: Ein Weißer von schätzungsweise über Siebzig und ein thailändisches Mädchen von schätzungsweise knapp über Zehn. Hier mag sich jeder seinen Teil denken…

Am Nachmittag gingen Ishtar und nasebaer noch zu einem der zahlreichen Massagesalons und ließen sich Nacken und Schultern beziehungsweise die Füsse massieren. Sie waren voll des Lobes und begeistert über das Ergebnis, was bei MacKenzie und mir Begehrlichkeiten weckte. Demnächst also vielleicht ein Erfahrungsbericht in diesem Blog. 😉 Den Abschluß des Tages vor dem Abendessen bildete eine Runde Pool-Billard bei ein paar Shakes und Cocktails im “Koh Samui Pier”. Wer da die meisten Spiele gewonnen hat, erwähne ich mal nicht. Man ist ja bescheiden.

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