Thailand – Tag 4: Cachen auf Koh Samui

Wie jeden Morgen ging es wieder zum “Thailänder an der Ecke”. Heute probierte ich Ranya with Pork, ohne daß jemand von uns wußte, was das im Detail war. Es handelte sich dabei um ein suppenartiges Gericht mit einer Art von glibschigen Glasnudeln sowie verschiedenen Gemüsen wie z.B. Blumenkohl und natürlich vielen Kräutern; die Brühe hatte eine etwas festere Konsistenz. Eben wegen des seltsamen, etwas schleimigen Mundgefühls des Gerichts werde ich es wohl nicht noch einmal probieren, es war allerdings ansonsten sehr schmackhaft.

Wir entschieden uns heute an den Strand von Mae Nam zu fahren, vor allem um dort zu cachen (eine Erklärung führt hier zu weit, bitte Wikipedia bemühen). In Mae Nam sollte es fünf Caches auf engerem Raum (innerhalb von knapp drei Quadratkilometern) geben, ein sehr kurzer Multi sowie vier Traditionals. Insgesamt gab es im Raum Koh Samui bei unserem Urlaub aktuell zehn mögliche Caches, wobei die anderen fünf sehr weit auseinander lagen und sinnvoll nur mit dem Auto erreichbar waren. Diese wollten wir dann während der drei Tage angehen, an denen wir das Auto mieteten. Bis Samstag (also Tag 6) fiel ich wegen fehlender Brille als Fahrer noch aus. Zwar hatten insgesamt drei von uns einen internationalen Führerschein, der zum Fahren notwendig war, doch natürlich wollte ich mir den Spaß auch gönnen.
Apropos fehlende Brille: Noch insgesamt zweieinhalb Tage muss ich ohne Brille zurechtkommen, was sich für mich erwartungsgemäß als ziemlich hart herausstellt. Bei mehr als fünfzehn Zentimetern Abstand zu irgendeinem Text kann ich diesen nicht mehr lesen (in diesem Moment des Schreibens hänge ich mit der Nase fast auf dem Display), außerdem erkenne ich sogar größere Dinge nicht mehr, wenn sie circa zehn Meter entfernt sind. Sie sind einfach eine verschwommene Farbmasse. Gesichter kann ich ab circa fünf Metern nicht mehr richtig erkennen, es sei denn ich kann die Möglichkeiten einschränken, weiß also, es muss sich um a, b oder c handeln. Das und vieles mehr schränkt enorm ein. Trotzdem habe ich noch viel Freude am Urlaub, weil ich die Szenerie im Großen und Ganzen noch bemerke, die Athmosphäre und die neuen Eindrücke immer noch aufsaugen und mich mit Freunden unterhalten kann, aus dem alten Arbeitstrott immer noch draußen bin. Ich muss nur an alles dicht heran gehen, um es genau zu erkennen. Bei all dem, bei dem das nicht möglich ist… gut, das ist eben ein impressionistisches Gemälde für mich. Auch mal ganz nett für drei Tage. 😉

Zurück zu Mae Nam. Wir leisteten uns eine Taxifahrt, die gegenüber einem Pickup aber auch nur geringfügig teurer war, und wurden direkt am Stand an einer Lokalität namens “Seaview Restaurant” abgesetzt. Den ganzen Strand reihte sich Bungalow an Bungalow und Resort an Resort, weswegen alles extrem geplant, aufgehübscht, romantisch, um nicht zu sagen kitschig wirkte. Nichtsdestotrotz hatten die Raumplaner aber auf die Natur keinen Einfluss, die war einfach nur schön: Türkisblaues Wasser, heute mal blauer Himmel, ein schöner Sandstrand und Palmen dahinter. Hier musste man nur die Kamera irgendwie auf den Strand richten, schon hatte man ein kitschiges Postkartenfoto. Eines davon füge ich hier mal bei, das passt sehr gut.

Ganz im Ernst: Die Szenerie war wahrlich wunderschön. Darüber hinaus war der Strand zu diesem Augenblick nahezu leer. Wir schlenderten nach einem Drink und dem Fund eines Caches zum nächsten am Strand entlang. Ich genoss die Ruhe und Einsamkeit, das Meeresrauschen, die angenehme Wärme und den (verschwommenen) Ausblick und fasste den Entschluss, hier bis zum Ende des Urlaubs auf jeden Fall nochmal für einen Tag herzukommen, um – wie man so schön sagt – die Seele baumeln zu lassen.

Wir gingen einen knappen Kilometer am Strand entlang und bogen schließlich in Richtung Inselinneres wieder ein. Nach einhundert Metern erreichten wir den zweiten Cache, den wir ebenso leicht wie den ersten fanden. Der nächste sollte einen weiteren Kilometer entfernt in einem Café liegen. Leider brannte die Mittagshitze zu diesem Zeitpunkt schon sehr stark, und der Weg dorthin führte uns an einer dicht befahrenen Hauptstraße im Inneren von Mae Nam entlang. Hier, ungefähr dreihundert Meter vom Strand und den Resorts entfernt, war natürlich nichts mehr idyllisch, sondern alles heiß, staubig und laut.

Wir kamen trotzdem am Café an, um zu bemerken, daß es geschlossen war. Vermutlich handelte es sich um eine Bar, die nur abends bzw. nachts geöffnet war. Überhaupt bemerkte ich, daß das bei sehr vielen Lokalitäten der Fall war: Entweder stürzten sie sich auf das morgendliche (einheimisch orientierte) oder das abendliche (touristisch orientierte) Geschäft. Wir ließen uns in einem sehr touristischen, leeren, aber geöffneten Café nebenan nieder und beratschlagten bei einem sehr kondensig schmeckenden Eiskaffee über das weitere Vorgehen, während wir von der ungefähr vierjährigen, thailändischen Tochter der Inhaberin mit Erfrischungstüchern versorgt wurden. Nasebaer und ich wollten mit MacKenzie noch den Multi und den letzten Traditional angehen, während Ishtar es sich wegen der Mittagshitze lieber mit einem Buch gemütlich machte.

Wir verbliebenen Drei wanderten wieder in Richtung Strand und querten dabei eine Anlage, die buddhistisch wirkte und wo wir auch einige, in ihre hellrote Kluft gekleidete Mönche erblickten. Ein Blick auf die Cachebeschreibung offenbarte den Zufall: Ein deutsches Paar hatte hier (buddhistisch) geheiratet und als Erinnerung den Cache an ihrem Trauort hinterlassen. Dabei handelte es sich um einen Pavillon direkt am Rand des Strandes mt Blick auf das Meer. Der letzte Cache führte uns erneut am Strand entlang in die Gegenrichtung. Dieser endete irgendwann an einer Steilküste, der Cache befand sich am Beginn derselben inmitten der Felsen direkt am Wasser. Schließlich wanderten wir wieder ins Landesinnere, kämpften uns durch die dichte, urwaldähnliche Vegetation, trotzdem einer Klapperschlange und zwanzig Hunden und kamen wieder bei Ishtar an. Gut, ganz so wild war es nicht; es gab einen Pfad durchs Unterholz und die Klapperschlange war nur virtuell. Aber die Hunde existierten und wollten fressen oder spielen; wir vermuteten, sie gehörten zu den Resorts bzw. den dort arbeitenden Einheimischen.

Ishtar berichtete uns, daß sich in unserer Abwesenheit die Inhaberin unglaublich um sie gekümmert hatte. Sie hatte wegen eines Sonnenbrandes auf ihrem Nacken sogar ein Aloe-Blatt abgeschnitten, hergerichtet und auf ihr drapiert. Zwar war sie zu diesem Zeitpunkt die einzige Kundin in der Bar, doch trotzdem fanden wir dies natürlich alle bemerkenswert.

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