Thailand – Tag 3: Sunken glasses

Erneut wnderten wir heute nach dem Aufstehen zum Frühstück zur altbekannten Lokalität an der nächsten Straßenecke. Der Ort war authentisch, das Essen ausgesprochen lecker und zudem mussten wir nur ein paar Schritte gehen. Ich wage die Voraussicht, daß wir für die kommenden eineinhalb Wochen dort Stammgäste werden. Ich bestellte mir heute Curry Rice with Pork.

Später wanderten Mac und ich noch zum Autoverleiher gegenüber, der uns von unserem Vermieter Claude empfohlen worden war. Die Preise stimmten absolut, wie wir später im Vergleich zum Avis am Flughafen feststellen sollten: Hier war es um ein Drittel preiswerter! Rund 1.300 Baht, also circa 30 EUR pro Tag, sollte ein Suzuki Vitaro kosten, ein Geländewagen mit Vierradantrieb, Klimaanlage und genügend Platz für vier Personen. Der Vierradantrieb und der höheren Radstand hat hier sogar praktischen Nutzen: Bei dem mal mehr, mal weniger lang andauernden, monsunartigen Regen steht das Wasser schnell mehrere Centimeter auf der Straße und die nicht geteerten Nebenstraßen werden zu Schlammpisten.
Steve, der britische Inhaber des Ladens, war nicht da. Eine thailändische Angestellte tippte schnell eine Nummer in ihr Mobiltelefon und reichte es mir. Toll, kann ich mich doch zwar einigermaßen auf englisch im Ausland verständigen, doch ohne Gesten und Lippenbewegungen und zudem als Telefonierhasser fällt es mir doppelt schwer, mich mit dem Briten in seiner Muttersprache zu verständigen und ihn erstmal rein akustisch überhaupt zu verstehen. Immerhin erfahre ich obigen Preis, die Verfügbarkeit des Autos und verständige mich mit ihm darauf alles weitere am nächsten Tag auszuhandeln. Dann wollten wir den Wagen nämlich in Empfang nehmen.

Nach einer kurzen Rückkehr in unser Haus fuhren wir mit einem der Pickup-Taxis nach Chaweng, dem touristischsten Teil von Koh Samui. Dort wollten wir ein paar notwendige Dinge einkaufen und den dortigen Strand genießen. Normale Taxis gibt es zwar auch, doch die oben genannten Pickup-Taxis sind bei größeren Gruppen tatsächlich bequemer und vermutlich auch preiswerter. Auf der Ladefläche der Pickups sind hier zwei Sitzbänke, sowie zwei Wänder und ein Dach montiert. Man nennt dem Fahrer den Zielwunsch, handelt mit ihm den Preis aus und springt auf die Bänke. Dann geht es in waghalsigen Gas-Bremse-Lenkmanövern, während denen wir uns schon auf unsere eigenen Fahrerlebnisse die kommenden Tage freuten, in Richtung Ziel. Ein Taxi oder Pickup zu finden, ist tatsächlich das Gegenteil von schwer. Wie schon kürzlich erwähnt, wird man als Tourist im Schnitt einmal pro Minute von vorbeifahrenden Fahrern angehupt, ob man denn nicht mitfahren möchte.

In Chaweng angekommen gingen Mac und mir erst einmal die Augen über. Hier gab es wahrlich alles, was das Herz eines gewöhnlichen Touristen begehrte. Hotels, Resorts, Bars und Kneipen sowie Läden mit Kleidung (vor allem T-Shirts und Strandbekleidung), Souvenirs und alles mögliche mehr wie Optiker, Dentisten, Apotheken, Supermärkte, usw – sogar Starucks, McDonalds oder Häagen-Dasz erblickte ich, was angesichts der thailändischen Umgebung selbst an diesem touristischen Ort auf mich leicht skurril wirkte. Ein paar der Örtlichkeiten waren extrem herausgeputzt. So entdeckte ich einen Irish Pub (Sportsbar mit TV-TFTs), der sich genau so auch in der Innenstadt einer deutschen Großstadt hätte befinden können.

Wir schlenderten zu einer sehr touristischen Bar direkt am Strand und genehmigten uns alle einen alkoholfreien Cocktail (in meinem Fall einen Monkey Kiss mit Orangen-, Bananensaft und Honig) und teilten uns schließlich auf. MacKenzie und ich wanderten gemeinsam entlang der Hauptstraße; ich selbst war auf der Suche nach einer Badehose, Postkarten und eventuell etwas gegen Mücken bzw. Moskitos. Die Shoppingtour gestaltete sich allerdings zu Beginn speziell für mich soziophoben Charakter zur Tortur: Alle paar Meter, und das ist nicht übertrieben, wird man hier von Einheimischen mit Ständen am Straßenrand, von Immigranten auf Mopeds oder anderen Personen angesprochen. Diese lassen meistens auch nicht so schnell locker, sondern kleben an einem für einige Schritte wie Schmeißfliegen. Ließ ich mich zuerst naiverweise auf einen (sehr) kurzen Dialog ein, so erwiderte ich später meistens auf Begrüssungen wie “How are you?”, “Where do you come from?”, “How long are you staying?”, “Langsaaaam…” nur noch simpel “No, thanks”. Man sollte dabei auch tunlichst die Schritte nicht verlangsamen oder die einem entgegengestreckte Hand ergreifen. Damit ließ sich das Ganze dann noch ertragen. Nur ein Verkäufer wurde richtig zudringlich und hielt sowohl MacKenzie als auch mich am Arm fest. Dies war aber die einzige Ausnahme. Insgesamt schätze ich, daß auf eine Stunde Stadtrundgang circa drei Dutzend Anfragen kamen. Tatsächlich schafften wir es aber trotzdem, Postkarten, eine Badehose, ein Liegehandtuch und Mückenspray zu ergattern.

Nach einer Stunde legten wir uns ermattet an den Strand von Chaweng, der sich hier wirklich malerisch präsentierte, auch wenn der Himmel zu diesem Moment leider grau war. Ich werde versuchen, später noch einige Fotos nachzuschieben. Auch hier am Strand wird man übrigens von Einheimischen mit Bauchläden angesprochen, die meistens billigen Schmuck – in einem einzigen Fall aber sogar Eis – anbieten und auch natürlich erstmal nicht locker lassen. Hier kann man, wenn man erstmal an Ort und Stelle liegt, auch leider nicht flüchten, sondern muss jeden Verkäufer mit zwei Dutzend “No thanks” weg komplementieren. Nichts kommen lassen möchte ich hier allerdings auf den Eisverkäufer: Nach zwei Neins war er verschwunden und wenigstens war der Kram sinnvoll, den er anbot. 😉 In der neuen Badehose stürzte ich mich schließlich in die Fluten; das Wasser war tatsächlich nur einige Grad kühler als die Außentemperatur. Glücklich wie ein Fisch im Wasser genoss ich den ordentlichen Wellengang, dabei leider nicht bedenkend, daß ich noch meine Brille trug.

Natürlich kam es wie es kommen musste: Bei einer größeren Welle bemerkte ich nach dem Öffnen meiner Augen, daß seltsamerweise alles verschwomen aussah. Ich tastete hektisch umher, aber die Brille war weg – spurlos. Vermutlich war sie gleich zum Boden abgesunken und von der Strömung Richtung offenes Meer gespült worden. Der ganz große Schock blieb allerdings aus, auch wenn ich sofort erinnerte, daß ich keinerlei Ersatz dabei hatte und ohne Brille mit Dioptrien von minus vier und sieben fast blind bin. Ich ärgerte mich nur maßlos über meine eigene Doofheit. MacKenzie und ich (gut, hauptsächlich sie, denn ich konnte ja nichts sehen) suchten noch den Strand ab, aber das Wunder trat natürlich nicht ein. Nun gut, konnte ich später am Nachmittag wenigstens mal den Service des Optikers in Chaweng testen.

Dieser war freilich hochklassiger als alles, was man sich in dieser Hinsicht in Deutschland erhoffen kann; nicht einmal, wenn es einen in ein hochpreisiges Exemplar dieser Gattung verschlagen sollte. Ich war der einzige im Verkaufsraum (nebst Ishtar, MacKenzie und nasebaer, die mich begleiteten) und hatte sofort drei Angestellte um mich herum, die mich nach meinen Wünschen fragten und allerlei Gestelle reichten. Irgendwann gesellte sich dann auch noch der Optiker hinzu, als ich mich nach circa zehn Minuten für eines entschieden hatte. Glücklicherweise hatte ich wenigstens meine Werte als Kärtchen in meiner Brieftasche dabei, so daß wir nicht bei Null starten mussten. Im Handumdrehen hatte ich daher eines dieser provisorischen Testgestelle auf der Nase, mit der ich das Ergebnis begutachten konnte: Perfekt. Ich konnte wieder sehen! Am Liebsten hätte ich das klobige Stück Etwas gleich für drei Tage ausgeliehen. Denn solange sollte es dauern, bis die fertige Brille in Chaweng abholbereit war. Insgesamt war die Brille zwar nicht preiswert (schätzungsweise gut halb so teuer wie in Deutschland), und der Verlust der alten trotzdem sehr herbe, da ich diese gerne getragen habe. Doch schlußendlich war ich einfach nur glücklich, daß ich nach drei weiteren Tagen den Urlaub ohne Einschränkungen weiter genießen konnte und nicht eineinhalb Wochen wie ein Halbblinder über Koh Samui und zurück nach Deutschland torkeln musste.

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