RPG: Down the drain

In dieser neuen Kategorie werde ich von Zeit zu Zeit Texte aus eigener Feder einstellen. Das wird zum großen Teil Prosa im SF-Bereich sein, weil ich hier durch die Teilnahme an PbeMRollenspielen einfach am regelmäßigsten schreibe. Aber es ist gut möglich, daß ich hier auch mal etwas Lyrisches oder Prosa einstelle, die nicht SF ist. 😉

Der folgende Text spielt im Star-Trek-Universum und hat keine große Einleitung nötig, da er sozusagen aus dem Beginn eines neuen Kapitels stammt. Das einzige: Die Handlung spielt in einem düsteren Paralleluniversum zum gewöhnlichen, weswegen die Atmosphäre in diesem Text etwas bedrückender ist als bei Star-Trek üblich.
# Ort: ISS Victory
# Zeit: Früher Morgen, irgendwann

Ein erstickter Schrei durchschnitt die Düsternis des Quartiers, gefolgt vom leisen Quietschen der Matratze, die auf Grund der plötzlichen Bewegung protestierte, mit der sich der Mann aufrichtete. Nach ein paar Sekunden wanderte eine Hand, fahrig tastend, über das Sideboard des Bettes und fand schließlich das, was sie suchte. Von einem zustimmenden Summton begleitet, erhellte sich die Düsternis in ein diffuses Halbdunkel.

Der Mann blickte sich gehetzt um, doch was er erblickte, schien ihm keine Sicherheit zu geben. Im Gegenteil wirkte sie eher ernüchternd. Die angespannten Schultern sanken herunter, und er entspannte sich etwas. Mit einem lauten Seufzer fuhr er sich mit der Hand über das zerfurchte Gesicht, das zum großen Teil von einem ungepflegten Vollbart und einer stetig ihm vor die Augen fallenden ungewaschenen, schwarzen Mähne bedeckt wurde. Er wischte sich eine Strähne aus dem Augenwinkel und klemmte sie hinter ein Ohr.

Ein Blick auf die Uhr ließ den Mann erneut aufstöhnen; es war kurz vor 0500. Er ließ sich zurück ins Bett fallen, doch überlegte er es sich nach einigen Augenblicken wieder und schob unmotiviert ein nacktes Bein über die Bettkante. Der Körper des Mannes war ebenso gezeichnet wie sein Gesicht: Frische und vernarbte Striemen wie von Peitschenschlägen verabreicht vereinigten sich auf seinem Rücken. Die behaarte Brust zierte eine uralte Brandwunde. Das linke Bein endete in einem Stumpf knapp unterhalb des Beckens. Der Mann war Anfang Vierzig, doch geschätzt wurde er im besten Fall auf ein Jahrzehnt älter.

Der Mann griff nach einem Gegenstand auf dem Boden und förderte eine Flasche zu Tage. Er blickte sie an, als ob sie der Segen auf Gottes Erden sei und setzte sie an den Mund. Doch kein Tropfen ließ sich der mittlerweile leeren Flasche entlocken. Traurig setzte er sie wieder ab und wendete sie, noch halb träumend in seinen auffällig feingliedrigen Händen. Schließlich warf er sie mit Wucht in eine Ecke des Raumes, wo sie mit einem lauten Krach in zahllose Splitter zerbarst, die sich klimpernd und wie in freudigem Spiel auf dem Boden umher tanzend im Raum verteilten.

Sein Gesicht in den Händen vergraben saß der Mann für eine Weile einfach nur da. Schließlich griff er sich das künstliche Bein aus einer Duranium-Carbonit-Verbindung und legte es sich an. Angesichts der aktuell verfügbaren Technik war es ein archaisch anmutendes Stück Körperersatz. Er fixierte das Bein und erhob sich vom Bettrand. Ein neuer Tag begann. Ein neuer Tag in der Hölle, die sich Leben nannte.

# Ort: Flure der ISS Victory
# Zeit: Später am Morgen

Mit den Händen auf dem Rücken verschränkt und tiefen Ringen unter den Augen, die ihm entgegenkommende und aus seinem Weg tretende Crewmitglieder auf Grund seiner langen Haare allerdings nicht entdecken konnten, wanderte der Mann matt und mit düsteren Gedanken in Richtung seiner Arbeitsstätte. Sein Gang war schwerfällig und etwas hinkend, und jeder zweite Schritt verursachte auf dem metallenen Boden des Flures ein kaltes Pochen, als Duranium auf Duranium traf.

Er war nun gekleidet in eine schwarze, nur mit einem dunkelblauen Kragen ausgestattete Uniform, an dessen rechter Seite die Insignien eines Lieutenant Commanders prangten. Über die Uniform hatte er einen weißen, wie sein künstliches Bein unmodern wirkenden Kittel geworfen, der die Utensilien, die der Mann an seinem Gürtel trug, sorgfältig verbarg. Im Gegensatz zur Privatsphäre seines Quartiers wirkte er in dieser Öffentlichkeit durchaus selbstbewußt und herrisch im Auftreten.

Er trat durch eine große Doppeltür, die sich vor seinen hinkenden Schritten bereitwillig öffnete, und befand sich damit in seinem Herrschaftsbereich: Der Krankenstation. Vor ihm befanden sich einige Betten im zentralen Versorgungsbereich, die momentan allerdings allesamt leer waren. Linker Hand ging ein weiterer Gang ab, den er momentan allerdings keines Blickes würdigte. Er wandte sich vielmehr nach rechts in Richtung der Büros der Ärzte, einschließlich seines eigenen.

Als er durch die Scheibe allerdings entdeckte, daß sein Büro nicht leer war, verbesserte das seine Laune nicht gerade. Vor allem, als er erkannte, wer sich in seinem Büro befand. Grimmigen Blickes trat er vor die gläserne Eingangstür, auf der in Augenhöhe vor dunkelblauem Hintergrund ein Schriftzug gedruckt war: “Lt. Cmdr. Carl-Friedrich Knutsen, Chief of Medicine”. Auch diese Tür öffnete sich auf die Betätigung einer Sensortaste bereitwillig. Mit einem letzten metallischen Pochen betrat er sein Büro.

“Für die Propheten und ihre Vertreterin, die gebenedeite Bré.”, brummte Knutsen mürrisch und blickte sein Gegenüber hinter seinen verfilzten Haaren aus an. Die von ihm Angesprochene wippte, leger auf seinem Schreibtisch sitzend, mit einem Bein und offenbarte ein hämisches Grinsen.

“Für diese saloppe Huldigung sollte ich Sie sofort wieder auspeitschen lassen, mein lieber Knutsen.”, meinte sie mit kalter Stimme, “Oder soll ich lieber K’Tosh auf Sie loslassen?”

Knutsen zuckte innerlich zusammen, als er an die ewigen Peitschenschläge dachte. Bloß nicht schon wieder. Er wußte nicht, wieviel er davon noch aushalten konnte. Trotzdem wusste er, er durfte sich gegenüber Bré nie schwach zeigen. Es wäre wohl sein Ende.

Er würdigte die Äußerung von Bré mit keiner Erwiderung, sondern hinkte auf die andere Seite seines Schreibtisches, wo er sich in seinen Sessel fallen ließ.

“Haben Sie Befehle für mich, Captain?”, brummte er in Bré Sares Rücken und blätterte gedankenverloren durch seine Blätter. Bré kicherte. Knutsen hasste dieses Geräusch.

“Ich habe eine Schwäche für Sie, Knutsen.”, meinte sie aufreizend und wandte sich zu ihm um. Sie legte ihre Arme auf seine Papiere und lächelte ihn mit funkelnden Augen an, die dann aber urplötzlich zu Eis gefroren. “Aber treiben Sie es nicht auf die Spitze….”

Sofort erhob sie sich wieder und verschränkte die Arme vor der Brust, während sie immer wieder von einer Seite des Raumes zur anderen trat wie eine Katze im Käfig. Unwillkürlich musste Knutsen an K’Tosh denken.

“Sagen Sie mir, was macht unser… Patient?”

Knutsen lehnte sich zurück. Von allen Aufgaben, die er hier an Bord erledigen musste, zählten Folterungen zu den unangenehmsten. Im Auftrag mehrerer Captains hatte er schon zahlreiche Personen martern müssen und jedesmal war ein Teil von ihm selbst dabei gestorben. Inzwischen war er zwar so stark abgestumpft, daß es ihm kaum noch etwas ausmachte; es war seine Arbeit. Trotzdem vermied er sie, wo es ihm nur möglich war.

“Ihm geht es…. den Umständen entsprechend.”, meinte er ausweichend.
“Er wird heute Abend wieder vernehmungsfähig sein, davor empfehle ich ihn nicht anzurühren. Ansonsten wird er den Tag nicht überleben.”

McKinley, der letzte 2O des Schiffes, der es gewagt hatte, einen Anschlag auf Bré zu planen, war eigentlich schon wieder so weit auf dem Damm, daß er erneute Qualen ohne bleibende Schäden davontragen würde.

“Gut.”, nickte Bré zufrieden, “Bereiten Sie Ihr gesamtes Werkzeug für eine erneute Sitzung heute Abend vor. Ich will wissen, wer ihm geholfen hat, mit wem er Verkehr hatte, wen er mochte, wen er hasste und mit wem er gefickt hat. Ich will alles von ihm wissen, was nur im Entferntesten von Belang ist.”

Bré hatte sich wieder zu ihm gewandt und blickte ihn mit stechenden Augen an.
“In Ordnung.”, nickte Knutsen, und Bré wirkte zufrieden.

“Bis heute Abend dann.”, meinte sie mit ihrer erotischsten Stimme und verließ schließlich den Raum.

Knutsen blieb noch einige Augenblicke sitzen, bis er sicher war, daß sie endlich fort war und für diesen Moment auch nicht mehr wiederkommen würde. Er öffnete die unterste Schublade seines Schreibtisches und entnahm ihm eine Flasche mit romulanischem Ale sowie ein kleines Schnapsglas und stellte beides vor sich. Er stutzte kurz, dann besann er sich und legte das Glas wieder in die Lade.

Ein Kommentar

  • Ich hoffe doch sehr dass es bald die versprochene (pbeM) Fortsetzung gibt, ich finde das Universum grad hochfaszinierend und hab ein paar ziemlich üble Ideen dazu… 😉

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