Rede Kundgebung “Turmbau zu Barmbek”

Am 7.9. habe ich auf der Kundgebung der Bürgerinitiative “Turmbau zu Barmbek” in meiner Funktion als Vertrauensperson diese Rede gehalten.

Noch im Dezember letzten Jahres, vor ungefähr 9 Monaten, wurde im Sanierungsbeirat Barmbek S1 von einem Einzelhändler an der Fuhle bemerkenswertes geäußert. Er sagte, daß er die Entwicklung des Projektes zum Bau eines Büroturms… aus dem Erneuerungskonzept für das Sanierungsgebiet des Barmbeker Zentrums heraus… nicht erkennen könne. Mit anderen Worten: Er kritisierte die Sinnhaftigkeit dieses Baus in Bezug auf die Sanierung und Entwicklung des Barmbeker Zentrums. Er äußerte sich weiter so, daß durch den straffen Zeitplan bezüglich der Entwicklung dieses Geländes Druck aufgebaut werde, der zu einer unausgewogenen Lösung führen könnte. Außerdem sagte der Einzelhändler, der Fuhle gehe eine große, attraktive Fläche als Entwicklungspotential verloren. Er betonte abschließend, daß er die Geschossanzahl kritisch beurteile und er mit Gegenwind aus dem Quartier rechne. Nun, diesen Äußerungen können wir uns vollumfänglich anschließen.

Die von diesem Herrn kritisierten Planungen endeten Anfang des Jahres in einem Bebauungsplan-Entwurf namens „Barmbek-Nord 17“. Im März lag dieser Entwurf im Bezirksamt aus. Und schon hierzu gab es ordentlich Gegenwind, schließlich sind mehr als 40 Einwendungen beim Bezirksamt eingetroffen mit einer Vielzahl von triftigen Argumenten. Teilweise haben eine Einwendung gleich mehrere Bürger unterschrieben, es gab auch eine Sammeleinwendung von 16 Bewohnern der an das Gelände direkt angrenzenden Mietshäuser. Das ist eine hohe Beteiligung bei so einem Verfahren und sollte den Bezirk eigentlich zum Nachdenken anregen, ob diese Planung so gut ist. Doch alle Argumente wurden weggewischt, beispielsweise daß ein erhöhtes Autoverkehrsaufkommen durch den Turm resultiert, daß es leerstehenden Büroraum in direkter Umgebung gibt oder daß die Höhe der Bebauung nicht in die Umgebung passt. Sie wurden abgetan, ohne mit den einwendenden Bürgern das Gespräch zu suchen, sogar ohne den Bürgern überhaupt eine direkte Rückmeldung zu geben wie mit ihren Einwendungen verfahren wurde.

Unserer Auffassung nach ist hier die Bezirkspolitik – mit Ausnahme der LINKE – Erfüllungsgehilfe für die Wünsche eines Großinvestors. Sie berücksichtigt in keinstem Maße die sinnvollen Gedanken und die Wünsche, die die Bürger im Zusammenhang mit der Entwicklung des Barmbeker Zentrums besitzen. Und die Politik ignoriert das, was Barmbek im Gebiet zwischen Bahnhof und Fuhle eigentlich benötigt. Dort wäre vieles denkbar wie beispielsweise ein Stadtteilzentrum, zu dem ich gleich noch komme. Doch ein Bürogebäude an dieser Stelle ist die ungeeignetste Form der Nutzung, und dagegen begehren wir auf!

In Hamburg gibt es Tausende von Quadratmetern ungenutzter Bürofläche! Und gerade hier – im belebtesten Gebiet von Barmbek zwischen Fuhle und Bahnhof – soll weitere Bürofläche gebaut werden. Unter diesem Bauvorhaben haben vor allem die direkten Anwohner zu leiden, die in den Mietshäusern westlich des Baugeländes leben. Vor allem morgens werden diese Häuser keine Sonne mehr sehen. Es ist ein Unding, daß den Bewohnern hier dieses hohe Gebäude ohne Not in einer Entfernung von weniger als fünfzig Metern vor die Nase gestellt wird. Gebäude in dieser Höhe benötigen Freiraum, um auf ihre Umgebung nicht erdrückend zu wirken. Dieser Raum ist hier im Zentrum Barmbeks nicht gegeben, und daher halten wir von der Bürgerinitiative ein Gebäude in dieser Höhe und in dieser Form an dieser Stelle für unangemessen und pure Fehlplanung.

Mit dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofes und des P+R – Parkplatzes wird darüber hinaus öffentlicher Raum, also ein Areal, das von jedem Bürger genutzt werden kann, in die Hände eines privaten Investors gegeben. Vor allem die Tatsache, daß dieses Gelände im Herzen Barmbeks liegt, macht diesen Vorgang so kritisierbar. Eigentlich ist öffentlicher Raum kostbar und nicht mit Geld aufzuwiegen, vor allem in solch zentraler Lage. Mit diesem Gelände sollte besonders vorsichtig umgegangen werden und ganz besonders im Interesse der Barmbeker – und zwar jedes einzelnen Barmbekers – gehandelt werden! Solch ein zentrales Gelände ist ein Sahnestück und wäre unglaublich geeignet, einen Raum zu schaffen, wo Barmbeker sich treffen können. Oder es zumindest so zu nutzen, daß dieses Gelände jedem Barmbeker in irgendeiner Form direkt zugute kommt.

Dabei gab es vor einem Jahr sehr gute Ideen für dieses Gelände. Der Sanierungsbeirat Barmbek S1 hatte Vorstellungen hier ein Stadtteilzentrum zu etablieren, mit einem Mix aus Gastronomie, Einzelhandel, Wohnen, Gewerbe und Kultur. Eine Vorstellung, die wir in unsere Frage zum Bürgerbegehren übernommen haben. Mit diesem Stadtteilzentrum könnte die Fuhlsbüttler Straße weitaus besser und zielführender belebt werden, als mit einem nichtssagenden Büroblock, der nicht einen einzigen Bürger aus dem Stadtteil oder aus den angrenzenden Stadtteilen anlocken wird. Oftmals wird darüber gesprochen, daß die Arbeitnehmer der VBG „die Fuhle beleben sollen“. Das glauben ja nicht einmal Mitarbeiter der VBG selbst, wenn man sich mit ihnen unterhält. Dort herrscht über diese Auffassung große Belustigung. Und jeder kann sich auch selbst überprüfen und fragen, wie sein eigenes Einkaufsverhalten in diesem Szenario wäre. Man pendelt morgens zur Arbeit, die Arbeitsstelle besitzt sowohl eine eigene Tiefgarage als auch praktisch eine eigene S-/U- und Busanbindung. Nach der Anreise ist man also direkt vor Ort an seinem Arbeitsplatz. Kaum zu glauben, daß man hier morgens vor der Arbeit noch in die Fuhle geht. Zum Mittagessen hat man normalerweise etwas von zu Hause mit; wenn das nicht so ist, gibt es hier die Kantine direkt unten im Gebäude oder Gastronomie im Einkaufszentrum gegenüber. Angesichts dieser drei Varianten muss man anerkennen, daß es schon ein riesiger Erfolg wäre, wenn Mittags nur 10% der Beschäftigten, also fünfzig Personen, in die Fuhle zum Essen flanieren. Abends ist das Auto, die S-Bahn, die U-Bahn oder der Bus wieder direkt vor der Tür. Daß hier die Beschäftigten – so ermattet, wie ein Arbeitnehmer nach einem anstrengenden Arbeitstag normalerweise ist – noch in die Fuhle flaniert, kann angesichts dieses Szenarios ins Reich der Märchen verwiesen werden. Der Anteil derjenigen Beschäftigten, die das tun, liegt wohl im einstelligen Prozentbereich.

Wesentlich zielführender ist hier unserer Ansicht nach der Bau eines Stadtteilzentrums. Angrenzend zu den Wohnhäusern könnten maximal fünfstöckige Gebäude in einer offenen Bebauung plaziert werden, so daß zwischen dem neuen Einkaufszentrum und diesen Gebäuden ein größerer Platz entsteht. Den Erdgeschossen bliebe Gastronomie und Einzelhandel vorbehalten, im ersten Stock könnten Ärzte, soziale Einrichtungen, ein Bürgerbüro oder Versammlungsräume einziehen. In den oberen drei Etagen bliebe ausreichend Platz für Wohnungen oder – sollte der Bedarf wirklich vorhanden sein – Büros. Für den Platz könnten sicherlich sogar einige der alten Bäume stehen bleiben und als Schattenspender genutzt werden. Solch ein Stadtteilzentrum, welches für jeden Bürger etwas bietet, für das sich der Hinweg aus Barmbek oder den umgebenden Stadtteilen lohnt, böte meines Erachtens wesentlich mehr Potential, auch die Fuhlsbüttler Straße zu beleben. Unter anderem auch deswegen, weil mit einer Nutzung des Areals als offene Fläche in Kombination mit dem neuen Einkaufszentrum ein gemischtes Publikum angelockt werden würde. Mit der aktuellen Planung mit zwei großen Gebäuden, die zwischen sich eine schattige, dunkle Fußgängerzone schaffen, wird vorzugsweise Kundenverkehr angelockt werden, der sich im Einkaufszentrum aufhalten möchte. Das ist auf Grund des Bürogebäudes keine Planung, die der Fuhle zugute kommt.

Da wir diese Planung kritisieren, wird nun von verschiedenen Seiten behauptet, wir seien doch nur Wutbürger. Nun, natürlich sind wir wütend, wenn wir sehen, was mit dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofes und des P+R – Parkplatzes geschehen soll. Das ist meines Erachtens unser gutes Recht. Doch wir nutzen diese Wut als Motivation, um uns mit den Planungen sachlich und kritisch auseinanderzusetzen. Wir beschäftigen uns mit den Argumenten der Büroturm-Befürworter; wir überlegen, was uns daran stört; und wir liefern sachliche Gegenargumente! Außerdem haben wir auch Überlegungen angestellt, was unserer Meinung nach mit dem Gelände geschehen müsste und eine gute und sinnvolle Planung wäre. Wir nehmen unsere Wut als Antrieb, aber sie ist bei unserer Initiative im Hintergrund. Nicht umsonst stand auch die Gründungsveranstaltung unserer Bürgerinitiative unter dem Motto „Mut statt Wut!“

Es wird auch behauptet, wir von der Bürgerinitiative wollten den Abriss des alten Hertie-Kaufhauses nur verzögern. Nein, wir sind froh, daß endlich etwas mit dem Kaufhaus passiert. Die alte Ruine ist ein Schandfleck, der lieber heute als morgen abgerissen werden sollte. Auch die Neubebauung des Grundstücks mit einem Einkaufszentrum ist unserer Auffassung nach in Ordnung. Unsere Kritik betrifft nur die Planungen bezüglich des Grundstücks nebenan: Dort, auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofes und des P+R – Parkplatzes, dort soll ein Bürogebäude mit einem fünfzehnstöckigen Turm gebaut werden. Und dagegen kämpfen wir!

Schlußendlich wird auch behauptet, wir seien doch sowieso einfach nur dagegen! Nein, wir präsentieren auch Alternativen für das Gelände. Jedoch haben wir uns in unserem Bürgerbegehren auf die unserer Meinung nach sinnvollste konzentriert. Wir wollen, wie in unserer Frage zum Bürgerbegehren klar angegeben, „ein Stadtteilzentrum mit einem Mix aus Gastronomie, Gewerbe, Einzelhandel, Wohnen und Kultur mit einer maximalen Gebäudehöhe von fünf Stockwerken“! Das ist auch das, was der ursprüngliche Sanierungsbeirat wollte, bevor Bezirk und Investor ihre Planungen angefangen haben durchzudrücken.

Ich möchte zum Abschluss noch einmal Werbung für unser Bürgerbegehren machen. Sollte Ihnen ein offenes, helles Barmbek am Herzen liegen und sollten Sie wie wir der Auffassung sein, daß ein Bürogebäude nicht die beste Nutzung für dieses Gelände darstellt, dann zeichnen Sie mit Ihrer Unterschrift! Wir würden uns darüber hinaus sehr freuen, wenn Sie einige Unterschriftenlisten im Bekannten-, Freundes- oder Familienkreis verteilen. Jede einzelne Unterschrift zählt und je schneller wir unser magisches Ziel von 8000 Unterschriften erreichen desto besser. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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