Medieninformatik oder Meine letzte Prüfung

In zweieinhalb Wochen an einem Donnerstag steht die allerletzte meiner vier Diplomprüfungen an; danach werde ich ‘nur’ noch die Diplomarbeit verfertigen müssen, um endlich ein vollwertiger Informatiker zu sein und mich mit dem Titel “Dipl.inf.” brüsten darf. 😉 Wenn ich zurück denke an das zweite Semester, in dem ich mich beinahe selbst exmatrikulieren wollte und nach dem ich noch oftmals große Zweifel hatte, ob ich überhaupt bis zum Ende des Studiums kommen würde, ist das für mich abseits aller Noten ein sehr befriedigendes Ergebnis. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Vorbereitung auf die letzte meiner vier Diplomprüfungen im Bereich der Medieninformatik gestaltet sich als komplett anders als auf die anderen drei. Eigentlich ist die Thematik die für mich am besten zugängliche, aber der Professor besitzt in meinem Bekanntenkreis das Image der Unberechenbarkeit. Konnte man bei den anderen drei Prüfungen noch ungefähr sagen, was in der Prüfung gefragt werden würde, so gestalten sich Vorhersagen hier als äußerst schwierig. Zudem wird die Prüfung bei ihm wie eine Diskussion aufgezogen, im Gegensatz zum Frage-und-Antwort-Spiel der anderen Professoren. Über die Bereiche in denen geprüft wird, möchte ich Euch im folgenden etwas erzählen.


Das wird zu allererst die Software-Ergonomie sein, das Hauptforschungsgebiet meines Professors (hier sein Buch dazu). Die SE befasst sich mit der Erarbeitung von Kriterien zur Konzeption und zum Design von ergonomischen, das heißt lax gesprochen benutzerfreundlichen, Computersystemen. Benutzerfreundlichkeit heißt in diesem Zusammenhang, daß der Nutzer seine Arbeitsaufgaben mit dem System effektiv, effizient und mit großer Zufriedenheit erfüllen soll. Schlecht konzipierte Systeme können physische wie psychische Belastungen beim Nutzer hervorrufen, was natürlich mehr als unerwünscht ist. Elemente der Wahrnehmungs-Psychogie spielen mit hinein. Ich kann jedem Fachinformatiker oder freiberuflichen Programmierer nur empfehlen, sich einmal mit dieser Thematik zu befassen, wenn diese unbekannt ist. Ich selbst empfand diesen Bereich als vielleicht sogar den wichtigsten Bereich meines Studiums im Hinblick auf die spätere Praxis, auch wenn er im Studium eher unterging.

Eine weitere Thematik sind Hypermediasysteme. Dies sind Systeme, die aus multimedialem Content bestehen, der mit den Funktionen des Systems beliebig mit Links versehen werden kann. Das heißt, auch zeitliche und räumliche Ausschnitte innerhalb von Videos, zeitliche Ausschnitte innerhalb von Audios sowie natürlich bestimmte Bereiche innerhalb von Texten können mit Links versehen werden, die zu anderem Content weisen. Viele bezeichnen das WWW als Hypermediasystem; für mich ist das aber nicht ganz korrekt. Das WWW ist, so wie wir es kennen und nutzen, an sich nur ein Hypertextsystem, dessen Fähigkeiten zudem drastisch reduziert wurden. So sind beispielsweise alle Links, die wir im WWW kennen, Einbahnstraßenlinks (sofern die Gegenseite nicht ihrerseits einen Link setzt). Interessanterweise ist gerade diese Blogsoftware mit ihren Trackbacks auf einem guten Weg, das WWW dahingehend zu erweitern.

Multimedia-Programmiersprachen und -Konzepte werden ebenfalls geprüft. Im Rahmen dieser Vorlesung haben wir Flash, SMIL (Warum gibt es dafür keine guten Player?), VRML und die Möglichkeiten innerhalb Javas, um ‘multimedial’ zu programmieren, kennengelernt. In eine ähnliche Richtungen gingen Autorensysteme und die Vorlesung im Bereich Medienproduktion. Diese beiden Vorlesungen waren schon fast Praktika. So durften wir ein wenig mit 3D-Renderern, Video- und Audiobearbeitungsprogrammen herumspielen und einen kleinen Film drehen. Die Zeit war hier allerdings sehr eng bemessen, so daß ich daraus leider nur wenig mitnehmen konnte.

Etwas theoretischer kommt das Gebiet der Kommunikationstheorie und Semiotik daher, die sich unter anderem damit befasst, was der Mensch als Zeichen wahrnimmt, was überhaupt ein Zeichen ist und in welche Kategorien sich Zeichen unterteilen lassen. Kommunikation ist ebenfalls ein wichtiger Begriff, denn zu jedem Augenblick unserer Lebens nehmen wir Nachrichten von irgendeinem Sender wahr und senden unsererseits Zeichen an andere Empfänger. Und schließlich kommunizieren wir auch mit dem Computer. Sogar der Programmierer kommuniziert über das von ihm erstellte Programm mit den Nutzern des Programms. Wie muß nun ein Programm gestaltet werden, damit möglichst wenig Mißverständnisse auftreten?

Die Semiotik war ebenso eine vertiefende Vorlesung innerhalb des Bereichs der Medieninformatik wie die Mediensoziologie. Themen hier waren die Auswirkungen der verschiedenen Medien auf unsere Gesellschaft, die Kategorisierung von Medien sowie Ethik und Moral innerhalb des Internets. Ebenso vertiefend war die Vorlesung über Medientheorie und -pädagogik. Im wesentlichen wurden uns hier Theorien von bekannten Medientheoretikern wie unter anderem Marshall McLuhan, Vilém Flusser, Jean Baudrillard und Paul Virilio vorgestellt.

Ein Kommentar

  • Wer hier öfter mitliest, wird vielleicht Sorge bekommen haben, weil ich seit Donnerstag nicht geschrieben habe. Nein, ich habe die Prüfung bestanden und es ist sogar meine beste geworden. Trotzdem bleibt sie wie die anderen im guten Bereich. Daß ich l

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