Kajakfahren for Beginners oder “Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht…”

Von meinen ehemaligen Arbeitskollegen war ich zum Abschied vom alten Job mit einem Gutschein der besonders schönen Art beschenkt worden. Während eines gemeinsamen Mittagessens hatte ich mal beiläufig fallen gelassen – vermutlich während ähnlichen Erzählungen eines Kollegen -, daß ich gerne mal eine Kanutour in Lübeck unternehmen würde. Daß man sich dessen nach mehreren Monaten (oder Jahren?) noch erinnerte, fand ich bemerkenswert, weswegen ich mich über diesen Gutschein besonders freute. Allzu häufig passiert es doch, daß ich mir Dinge vornehme, für die ich dann doch nicht den Hintern hoch bekomme. Diese Kajak-Tour wäre wohl eine derartige Aktion gewesen. Und solch eine Gelegenheit bringt einen dann doch dazu, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.

Ob das Wasser am heutigen Tag so kalt war, kann ich allerdings nicht beurteilen, denn der erwartete Fall ins Nass blieb erstaunlicherweise aus. Die gute Freundin A. (eigentlich F. beziehungsweise kurz R., aber ich nenne sie A.) aus Lübeck und ich entschieden uns für zwei 1er-Kajaks, die nach mehr Spaß aussahen als ein 2er-Kanadier. Da Kajaks wegen ihrer Bauart etwas instabil (leicht zu kentern) anmuten, befürchteten wir beide nasse Klamotten am Ende der Tour. Doch hofften wir auf einen heißen Sommertag, an dem dies ja nicht so schlimm sein würde. Ich orderte zwei Kajaks sechs Tage vorher telefonisch bei kanu-zentrale.de, schlug auf Grund der Öffnungszeiten auf der Webseite von 10 bis 18 Uhr genau diesen Zeitrahmen vor (das wird noch wichtig, bitte auf den Erinnerungs-Stack pushen) und fertig war der Lack. Fragen wurden bereitwillig beantwortet.

Wer das Wetter vom 17. Juli 2011 in Deutschland noch im Kopf hat, weiß, daß der Tag nicht ganz so war, wie wir uns das gewünscht hatten. wetter.com meldete noch am Vortag eine Regenwahrscheinlichkeit von 85% über den ganzen Tag in Lübeck, wenngleich auch keinen Starkregen. Auf der Autobahnfahrt von Hamburg nach Lübeck begleitete mich Wasser auf der Windschutzscheibe und ich sah die Tour schon vor dem Einstieg ins Kanu (bzw. speziell die Unterart ‘Kajak’) ins Wasser fallen. Doch vor der Wohnung von A. kam sogar ein wenig die Sonne raus und es war warm, was sollte also schiefgehen?

Mit Regenjacken, Proviant und Aufregung kamen wir kurz vor 10 beim Abholort an, doch keine Spur von einem Menschen. Wir schauten im Innenhof, niemand da. Wir kehrten zum Auto zurück, machten uns bereit, schnackten. Wir schauten nochmal nach, schlugen den Kofferraumdeckel zu… moment. War da nicht noch der Schlüssel im Kofferraum? Crap. Natürlich war er das. Kofferraum dicht. Fahrertür dicht. Beifahrertür dicht. Mehr Zugänge gibt’s nicht bei einem MX-5 (NB). Was nun? Schlüssel, Brieftaschen, Rücksäcke, alles im Wagen. Wir trugen nur die Kleidung am Leibe. Ich malte mir einen Sonntag mit Schlüsseldiensten (erwähnte ich schon, daß alle Handies im Kofferraum waren?) und Stress aus. Irgendwie musste das doch anders gehen. Und tatsächlich: MX-5er bis zum NB haben auf jeden Fall noch ein Softtop, ein Stoffverdeck, sofern sie nicht im Winter ein Hardtop tragen. Dadurch kann man tatsächlich die Fahrer- oder Beifahrerscheibe so weit mit sanfter Gewalt hervorziehen, daß man den Arm zwischen Verdeck und Scheibe bekommt und an den inneren Türöffner gelangt. Heureka! Zwar war die Scheibe natürlich nicht mehr in der Führung, doch mit sanftem Druck von oben rutschte sie beim Herunterlassen der Scheibe wieder ‘in place’. Wer also mit einem MX mal in eine ähnliche Lage kommt… aber bitte nur bei dem eigenen Wagen nachmachen. 😉

Danach wurde erstmal die kanu-zentrale angerufen, um 10:15 Uhr war noch immer niemand zu sehen. Dort erfuhren wir, daß wir angeblich als Abholtermin 09 Uhr verabredet hatten. (Bitte Pull auf dem Erinnerungsstack durchführen.) Ein anderer Abholtermin sei nicht möglich, da es für die Firma organisatorisch schwer werde, alle Kunden zu versorgen. Ich wiederum war und bin mir eigentlich recht sicher, daß ich im Telefonat wegen der Öffnungszeiten des Büros von 10 bis 18 Uhr genau diesen Zeitraumen vorgeschlagen hatte und nicht korrigiert wurde. Aber egal, der Verleiher kam nochmal vorbei und gab uns die Kajaks heraus und alles war in Ordnung. Zusätzlich zu den Kajaks bekamen wir noch zwei Rollwagen, um die Boote zum Ufer zu rollen, sowie jeweils einen wasserdichten Sack für unsere Wertsachen (schwimmt geschlossen, für Handy, Portemonnaie und Schlüssel) und einen Spritzschutz, den man sich um die Hüfte schnallen kann, damit man bei hohem Wellengang nicht literweise Wasser ins Kajak bekommt (den ich aber bei unserem nicht vorhandenen Wellengang auf Lübecks Wasserstraßen nicht brauchte). Außerdem bekamen wir zwei Schwimmwesten und eine Wasserkarte, welche wir aber an sich ebenfalls nicht wirklich brauchten.

Unsere Fragen wurden bereitwillig beantwortet sowie das Einstellen der Ruderpedale auf die eigene Körpergröße sowie deren Funktion erläutert (‘Ruder’ auf Erinnerungsstack bitte. ;-)). Danach wurden wir verabschiedet und wir rollten zufrieden unsere Kajaks zum 200m entfernten Ufer. Dort bereiteten wir uns mit Schwimmweste vor. Zur Kleidung: Ich trug eine kurze Running-Hose über einer Badehose und ein Running-Shirt, die beide nicht viel Feuchtigkeit aufnehmen sollten. Darüber kam eine Regenjacke und dann die Schwimmweste. Mit dem Spritzschutz wären auch meine Beine bedeckt und ich auch gegen Starkregen geschützt gewesen. A. trug ebenfalls eine kurze Hose plus Regenhose und ein Shirt plus Regenjacke. Sie wandte den Spritzschutz an, der einige Tropfen abhielt, aber auch für mehr Wärme im Inneren sorgte. Wir verstauten den demontierten Rollwagen im Boot, welches sowohl im Heck einen großen sowie am Bug einen kleineren Stauraum besaß. Im ersteren plazierten wir sowohl den Rollwagen als auch unseren Rucksack. Da wir nicht mehr Gepäck mit uns führten, blieb der vordere leer. In den Wassersack legten wir unsere Wertsachen und schnallten diesen direkt vor uns unter ein dehnbares Seil, wo er bombenfest und sicher verstaut war.

Der Einstieg ins Kajak wurde – wie bei einem Anfänger üblich – zwar sicher nicht mit Grazie vollzogen, war jedoch effektiv. Immer darauf bedacht, das empfindliche Gleichgewicht nicht zu stören, plazierte ich einen Fuß in der Mitte des Rumpfes direkt vor dem Sitz. Ich ließ mich mit einer Hand in der Mitte hinter dem Sitz und der anderen auf dem Steg allmählich auf den Sitz herunter und zog das andere Bein nach. Was sich in dem Satz recht elegant anhört, ist nicht ganz einfach und wurde sehr viel hölzerner vollzogen. 😉 Aber immerhin landete ich ordnungsgemäß im Boot. Wer sich für die korrekte Technik interessiert, sei auf kajakpaddling.net verwiesen. Die Seite rockt. Natürlich kamen für unsere Paddelei nur die grundlegendsten Grundregeln zum Einsatz, von Stützen und Eskimorolle waren wir und sind Lübecks Wasserstraßen weit entfernt. 😉 Aber immerhin lernte ich dadurch zwei wichtige Grundregeln, mit denen man als Anfänger definitiv nie im Wasser landet:

1) Der Schwerpunkt des Körpers muss immer (beim Rudern, beim Sitzen, beim Ein- und Ausstieg) immer in der Mitte des Rumpfes liegen. Irgendwie logisch. Aber gut, wenn’s einem nochmal gesagt wird. 😉
2) Im Grunde redundant mit (1): Halte den Oberkörper immer aufrecht und lass nur Deinen Hintern bei Wellenbewegungen mit dem Boot mitschunkeln. Die Bewegungen finden alle in der Hüfte statt.

Langsam schipperten wir vom Jachthafen am Mühlentor vorbei in Richtung Burgtor. Eigentlich wollten wir zur Wakenitz herüber, aber wir entdeckten erst am Burgtor auf der Karte, daß man dafür kurz vorher die Boote wieder an Land bringen, über eine Hauptverkehrsstraße rollen und auf der gegenüberliegenden Seite wieder einsetzen müsste. Da wir dasselbe auch auf dem Rückweg hätten tun müssen, entschieden wir uns dagegen und paddelten einmal in Gänze um die Altstadt herum, bis wir wieder zum Ausgangspunkt gelangten. Da hiernach erst gute zwei Stunden vorbei waren, paddelten wir noch durch den Jachthafen und auf dem Elbe-Lübeck-Kanal weiter bis zur Eisenbahnbrücke und wieder zurück. Das war natürlich keine riesige Tour, und wir waren nach fünf Stunden wieder am Ausgangspunkt, aber für einen ersten Schnupperkurs reichte das vollkommen. Ich bin mir sicher: Das werde ich wieder machen! Dann würde man am Besten wohl auch direkt irgendwo in der Wakenitz starten und eine Tagestour irgendwohin planen.

Zwei Anekdoten: Sehr vergnüglich gestalteten sich die zwei Pausen, in denen wir uns einfach am Rande des Flusses nebeneinander an einer Mauer oder einem Steg plazierten. So konnten wir gegenseitig an unseren Proviant in der Luke hinter unseren Rücken, während sich der jeweils andere festhielt und den Partner sicherte. Außerdem kämpften wir sicher ein Dutzend Mal mit der Strömung des Flusses, die uns irgendwo ans Ufer drückte. Eigentlich hofften wir, mit unseren Rudern gegensteuern zu können (Pull auf das ‘Ruder’ im Erinnerungsstack bitte), und fluchten häufiger, weil sich da irgendwie nicht viel tat. Mit den Füssen bedient man ein Ruder am Heck des Kajaks, welches mit zwei Drähten mit zwei Pedalen an den Seitenwänden verbunden ist. Allerdings war das Ruder zum Transport des Kajaks hochgeklappt. Genau das haben wir aber vorher nicht bemerkt und sind fröhlich mit hochgeklapptem Ruder losgeschippert. Großes Zusammenbrechen natürlich am Ende der Tour, als wir genau das beim genaueren Untersuchen der Konstruktion bemerkten. Hätte man vielleicht doch mal unterwegs tun sollen. 😉 Naja, nächstes Mal… Weisste Bescheid! Schlußendlich konnten wir auch mit den Paddeln ausreichend steuern und haben dadurch vernünftiges Steuern mit dem Paddel gelernt. 😉

Im Endeffekt bleibt zu sagen: Wir hatten viel Spaß, jedesmal wieder! 🙂

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