Frohbotschaftskirche in Hamburg-Dulsberg

Vor relativ kurzer Zeit bin ich bei meinen Streifzügen durch Blogs aus meinem Stadtteil Hamburg-Dulsberg auf ein großes, eigentlich jeden Dulsberger betreffendes Thema gestoßen: Den Mitte 2012 von Seiten der Kirche als unausweichlich gesehenen Abriss der mitten im Zentrum gelegenen Frohbotschaftskirche am Straßburger Platz. Die Idee an sich war schon erstmal ein mittelgroßer Schock: Wie kann man denn – gerade als Eigentümer – planen, eines der attraktivsten Gebäude im Stadtteil einfach so zu eliminieren?

Die Gründe sind zahlreich. Zum einen gibt es anscheinend einen immensen Reparatur- bzw. Investitionsstau in punkto Bausubstanz, die sich laut Auskunft der Pastorin auf circa eine halbe Million Euro betragen, die von der Kirche nicht gezahlt werden können. Darüber hinaus leidet die Gemeinde wie vermutlich fast jede im nördlichen Teil Deutschlands an einem Mangel an Besuchern, weswegen der Saal der Kirche in seiner aktuellen Größe nicht mehr benötigt wird. Daher also ein Abriss aller Gebäude (Kirche und Pastorat) – mit eventueller Aussparung des Kirchenturms – und ein Neubau mit kleinerem Kirchensaal und einem dringend benötigten größeren Kindergarten mit Krippe, da der vorhandene platzmäßig an seine Grenzen gestoßen ist. Für diese Radikalkur, die laut Aussage von Kirchenseite ungefähr eine Million Euro betragen soll, sei genug Geld in Form von Zuschüssen oder Darlehen vorhanden.

Als die Pläne auf einer Versammlung der Kirchengemeinde derselben vorgetragen wurden, regte sich natürlich Widerstand und es gründete sich erfreulicherweise eine Bürgerinitiative, um den Abriss zu verhindern. Da die Fakten des Investitionsstaus und der Reparaturbedürftigkeit, dem zu großen Raum für die Kirche und dem zu kleinen Raum für den Kindergarten sowie dem hinzukommenden Denkmalschutz der Außenfassade aber vorhanden sind, muss eine Lösung her. Daher beauftragte die Initiative ein eigenes Konzept, das von Architekt und Stadtplaner Roger Popp entworfen wurde und sich hier abrufen lässt. Es versucht eine Lösung aus diesem Dilemma aufzuzeigen und schlägt auf sieben Seiten vor, die Kirche zu entkernen, die Fassade zu reparieren und den Innenraum in drei Etagen aufzuteilen. Der Gemeindesaal würde dann nur noch einen großen Raum in einer Hälfte des Erdgeschosses einnehmen, wohingegen sich Kindergarten und Büros auf der anderen Hälfte mehrgeschossig verteilen. Die Kirche wird von dem Konzept allerdings nicht umgeworfen und zieht die Radikalkur immer noch vor.

Ein Video zu dem Thema gibt es auch bei Hamburg1.de.

Die Kosten für den Umbau beliefen sich nach der Aussage im Fazit des Konzeptes auf grob zweieinhalb Millionen Euro. Die Kosten für einen Abriss inklusive Neubau werden im Gegensatz zur Kirche allerdings mit bis zu acht Millionen Euro überschlagen. Nun liegt die Differenz vermutlich in der Natur der Sache der subjektiven Sichten. Sicherlich wird aber hier auch die von mehreren Stellen gemeinsam in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie Licht ins Dunkel bringen, die in dieser Anfrage an den Senat erwähnt wird und die bisher nicht vorgestellt wurde.

Ich für meinen Teil hoffe, daß die Kirche in ihrer äußeren Form erhalten bleibt, denn sie ist prägend für das Bild des Straßburger Platzes, das mit einem Abriss und einem Neubau von vermutlich nicht gerade hübschen Zweckbauten dramatisch unattraktiver werden würde. Außerdem glaube ich kaum, daß ein Abriss und Neubau wesentlich preiswerter werden würde als eine Entkernung und eine Neuaufteilung im Inneren. Auf jeden Fall bin ich auf das Ergebnis der Machbarkeitsstudie gespannt.

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