Freifunk – Internet für alle

Vor ungefähr zwei Monaten hatte ich zum ersten Mal vom Thema Freifunk gehört und war sofort begeistert (inzwischen hat iheartdigitallife.de schon was dazu geschrieben). Bei diesem Projekt kann jeder dazu bereitwillige Mensch einen Teil seiner Internet-Bandbreite (beispielsweise einen privaten DSL-Anschluss) der Öffentlichkeit in seiner direkten Umgebung via eines freien WLAN-Hotspots zur Verfügung stellen. Potenzielle Zielgruppen sind z.B. Touristen, die in ihrem Domizil kein Internet vorfinden, oder Menschen, die sich aktuell keinen Internet-Anschluss leisten können und auf Internet-Cafés oder eben freie WLAN-Hotspots angewiesen sind. Freifunknetze bilden sich aktuell vor allem in größeren Städten und Metropolen wie Hamburg. Auf engem Raum sammeln sich hier eine Vielzahl an Internetanschlüssen, die auch in den meisten Fällen zwar mit einem aktivierten WLAN-Router versehen sind, der aber nach außen nicht offen, sondern mit einem Kennwort verschlüsselt ist. Das ist natürlich auch sehr sinnvoll, denn ehrlicherweise möchte man sein Heimnetzwerk nicht einfach der Allgemeinheit öffnen, da ansonsten zu befürchten wäre, daß beispielsweise der Onlinebanking-Verkehr – natürlich sollte man kritische Dinge wie Onlinebanking sowieso nicht über ein WLAN durchführen, aber der Punkt wird wohl klar – abgehorcht werden könnte oder die gerade aktuell vorhandenen und noch nicht behobenen Sicherheitslücken in beispielsweise Windowsrechnern zu vom Anwender nicht erwünschten Aktionen mißbraucht werden könnten.

Doch Moment: Das eigene, private Heimnetzwerk soll nicht offen sein, aber trotzdem kann die Internetverbindung nach außen hin freigegeben werden? Wie passt das nun zusammen? Ganz einfach: Für einen Obulus von 15,- bzw. 26,- Euro bekommen wir einen von der Freifunk-Community unterstützten, einfachen WLAN-Router. Für unterstützte Router stellt Freifunk eine eigene Firmware (sozusagen das Betriebssystem für den Router) zur Verfügung, die speziell auf die eben genannten Bedürfnisse zugeschnitten ist. Diesen Freifunk-Router verbindet man (nach erfolgter Einrichtung) mit einem Netzwerkkabel mit dem schon im Heimnetzwerk vorhandenen, eigenen Internet-Router. Damit hat der Freifunk-Router seine Verbindung ins Heimnetzwerk und damit ins Internet. Diese Verbindung ins Heimnetzwerk ist nach außen hin aber nicht sichtbar, da diese Verbindung nur genutzt wird, um eine Verbindung zu einem sogenannten VPN (Virtuelles Privates Netzwerk)-Dienstleister im benachbarten Ausland (z.B. Holland) aufzubauen. Wenn sich nun ein Freifunk-Anwender mit unserem Freifunk-Router verbindet, kommuniziert er nicht mit unserem Heimnetzwerk, sondern jede Anfrage wird direkt ins Internet und zum VPN-Dienstleister geschleust, von wo aus jede Internetanfrage unseres Freifunk-Anwenders von außen sichtbar ihren Ursprung hat. Unser Freifunk-Anwender sieht also nichts von unserem Heimnetzwerk; dafür müsste er erst den Freifunkrouter “hacken”, was im Endeffekt ein ähnlich schwieriges Unterfangen darstellt wie das Hacken des privaten WLAN-Internet-Routers.

Nun könnte man die beiden Netzwerke, Privat und Freifunk, auch ohne VPN abschotten. Leider ist ein VPN momentan aus Gründen der sogenannten Störerhaftung in Deutschland trotzdem notwendig. Sollte nämlich jemand den offenen WLAN-Zugang zu illegalen Zwecken mißbrauchen und dies von den Behörden bemerkt werden, so fände bei einem Freifunk ohne VPN die öffentliche IP-Adresse des eigenen Internet-Zugangs den Weg in die Akten der Behörden. Und das bedeutete, man bekäme das Ziel von Untersuchungen, die zwar vermutlich bald eingestellt würden, aber trotzdem das Gegenteil von angenehm wären. Mit VPN fände sich bei einem Mißbrauch die IP-Adresse des VPN-Dienstleisters in den Akten, also beispielsweise eine IP aus Holland. Und da in Holland keine Störerhaftung existiert und der private Anbieter nicht für das Fehlverhalten seiner Nutzer verantwortlich gemacht werden kann, ist hier alles im Lot.

Nun kann man einwenden, daß man doch dann ein freies Internet gar nicht anbieten sollte, wenn die Gefahr des Mißbrauchs entsteht. Dagegen kann ich sagen, daß kriminelle Elemente immer einen anonymen Weg ins Internet finden werden, um die Aktionen durchzuführen, die sie durchführen wollen. Das muss nicht einmal einer der zahlreichen schon existierenden freien oder kommerziellen WLAN-Hotspots sein. So gibt es mehr als genug Möglichkeiten, um den eigenen Internetzugang anonym zu nutzen, beispielsweise eben durch ein VPN, Tor oder Myriaden anderer Wege, die ich nicht kenne. Darüber hinaus ist es der falsche Weg, ein Medium zu beschränken auf Grund seiner Gefahren. Es käme ja auch niemand auf die Idee keine Pakete mehr auszuliefern, weil in den Paketen Bomben versteckt sein könnten.

Wie kann man nun bei Interesse mitmachen? Auf hamburg.freifunk.net sind Kontakte zur Community direkt auf der Startseite beschrieben. Dort ist auch eine Übersichtskarte verlinkt, wo überall in Hamburg schon Freifunk-Hotspots zu finden sind. Die grünen Dots sind online, orange-rote Dots sind momentan ohne Verbindung zum Internet oder ganz offline. Wer sich selbst aktiv einbinden möchte, muss nur drei Schritte durchführen:

1) Router besorgen, z.B. einen TP-Link TL-WR842ND

2) Router mit Freifunk-Firmware versorgen (für obigen diese hier, und die Anleitung gibt’s hier)

3) Nach dem Reboot des Routers diesen endeinrichten. Wie das geht, steht super beschrieben hier.

PS: Übrigens muss man auch seine Internetverbindung nicht unbedingt teilen. Sollte ein Freifunk-Router schon in der Nähe sein (einfach mal bei den WLANs nach einem offenen WLAN mit Namen “hamburg.freifunk.net” suchen) würde auch das Aufstellen eines Routers ohne weiteres Netzwerk dafür sorgen, daß sich das Netzwerk vergrößert. Denn die Router verbinden sich auch untereinander (sogenanntes Meshing) und damit ist auch ein WLAN-Router ohne eigene Internetverbindung eventuell online.

PPS: Man kann im Freifunk-Router einstellen, wieviel seiner Bandbreite man zur Verfügung stellen möchte. Ansonsten hätte man im Extremfall eventuell für die eigene Nutzung keine mehr zur Verfügung. Wenn darüber hinaus der persönliche Internet-Router auch noch Netzwerk-Priorisierung unterstützt (z.B. die häufig genutzten FritzBoxen von AVM können das), merkt man überhaupt nichts mehr von der zusätzlichen Ausnutzung der eigenen Verbindung.

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