Der Turmbau zu Barmbek oder…

Ein hervorragendes Beispiel dafür, wenn Bezirkspolitik am Bürger vorbei nach dem eigenen Gusto entscheidet und selbst die geringen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung komplett übergangen werden. Daß als Ergebnis dann resultiert, daß die Bürger sprichwörtlich aufbegehren und ihre letzte Chance in einem Bürgerbegehren sehen, ist nur natürlich.

Im Stadtteil Barmbek in Hamburg gibt es direkt am Bahnhof (bzw. der S-/U-Bahn-Station) um den größten Verkehrsknotenpunkt in Barmbek ein großes Sanierungsgebiet namens Barmbek-Nord S1. Das besteht unter anderem aus einem alten und inzwischen leerstehenden Hertie-Kaufhaus, das direkt an einem der Ein-/Ausgänge zum Bahnhof gelegen ist. Dieses Kaufhaus ist bedingt durch seinen langen Leerstand wenig hübsch anzusehen und würde nach den Wünschen der meisten Bürger auch lieber heute als morgen abgerissen. Genau neben dem Hertie-Kaufhaus befindet sich außerdem noch ein ehemaliger Busbahnhof. In dieser Karte sind das Kaufhaus der Block links der Fuhlsbüttler Straße, und der Busbahnhof die Dächer rechts neben der Krüsistraße.

Für das Sanierungsgebiet, zu dem diese beiden Flächen gehören, gibt es einen sogenannten Sanierungsbeirat. Diesem Beirat gehören bei weitem nicht nur Vertreter aus der Politik an, sondern auch interessierte Anwohner oder beispielsweise auch Vertreter des Einzelhandels in diesem Gebiet. Bei den regelmäßigen Treffen wurde und wird beratschlagt, mit welchen Mitteln man das Sanierungsgebiet wieder zum Leben erwecken oder zumindest erstarken könnte. Bezüglich der oben genannten Flächen wurde schnell klar, daß Möglichkeiten zum Einkauf geschaffen werden sollten; es wurden also Gewerbe- und Einzelhandelsflächen präferiert. Die oberen Etagen hätten zum Wohnen genutzt werden können. Keine speziellen Ideen also, sondern genau das, was an einem zentralen Ort wie diesem sinnvoll ist.
Für das alte Kaufhaus fand sich auch bald schon ein Investor namens Development Partners, die dort ein Einkaufszentrum errichten wird. Ziel ist laut der Bezirkspolitik die Aufwertung des Areals, von der auch die Fuhlsbüttler Straße als Einkaufsmeile profitieren soll. Daß der Plan nicht immer aufgeht, zeigt dieser Beitrag recht gut. Doch hätte man sich gegen ein Einkaufszentrum noch nicht wirklich wehren können, außer vielleicht ein paar sanfte Spitzen zu streuen, warum in Hamburg das drölfte, seelenlose Einkaufszentrum entstehen muss. Jedoch begann hier das Drama erst so richtig.

Es meldeten sich in 2012 schließlich eine Firma namens ECE und die Bezirkspolitik beim Sanierungsbeirat, daß auch eine Idee für das Gelände des Busbahnhofs vorliegen würde: Man könne doch dort ein Bürohochhaus bauen! Nun ist das aus Sicht des Investors natürlich sehr spannend, da dieser für diese enorme Menge an Bürofläche mitten in einem Stadtzentrum sogar schon einen Mieter präsentieren konnte, und dabei die vielen Euronen durch die Mieteinnahmen schon in seine Tasche fließen sieht. Für die Stadt bzw. den Bezirk Hamburg-Nord ist das auch sehr spannend, da beide durch die Veräußerung des Geländes mit Sicherheit auch einen guten Gewinn einstreichen. Doch für Barmbek selber bzw. dessen Bürger ist dieses Vorhaben natürlich die denkbar unsinnvollste Nutzung eines der zentralsten Flächen im Stadtteil. So regte sich auch im Sanierungsbeirat natürlich zuerst Widerstand. Doch irgendwann drückte der Bezirk seine Wünsche durch und ignorierte damit die Belange der Bürger komplett. Doch warum ist ein Bürohochhaus nicht sinnvoll? Einige Gründe, die mir einfallen, sind folgende:

  • Die Fläche selbst wird nicht angemessen genutzt. An solch einer zentralen Stelle sollte öffentlicher Raum für den Bürger geschaffen werden. Zum Zusammenkommen, zum Flanieren. Ein Bürohochhaus senkt die Aufenthaltsqualität der Gegend rapide.
  • Es gibt in Hamburg Abertausende Quadratmeter leerstehende Bürofläche. Warum wird diese nicht erstmal genutzt anstelle jetzt neue zu schaffen?
  • Direkt westlich angrenzend an das Hochhaus befinden sich Wohnhäuser (siehe oben verlinkte Karte). Unnötig zu erwähnen, daß und warum die Bewohner der Häuser gänzlich gegen den Bau des Hochhauses sind.
  • Das Hochhaus steht direkt im Süden der Einkaufsstraße “Fuhlsbüttler Straße”. Außer in den Sommermonaten wird diese durch das Hochhaus zu Teilen verschattet, was deren Attraktivität senkt. Die Geschäfte dort haben sowieso jetzt schon mit nachlassender Kundschaft zu kämpfen.

Um das Hochhaus überhaupt bauen zu dürfen, musste der Bezirk den Bebauungsplan für das Gelände anpassen. Zum Thema “Bebauungsprozesse” siehe auch mein letzter Beitrag. Die einzige Möglichkeit für die Bürger, sich hier noch zu beteiligen abseits des Sanierungsbeirats, waren zahlreiche Einwendungen bezüglich des Entwurfes. Ungefähr sechzig sind zu diesem Thema bei der Bezirksverwaltung eingegangen. Doch beeindruckt hat diese das nicht. Diese Woche wurden im Stadtentwicklungsausschuss, einem Gremium der Bezirkspolitik, welcher die Erstellung neuer Bebauungspläne durch die Bezirksverwaltung oft anweist, alle Einwendungen abgetan. Außerdem wurde die Empfehlung gegenüber der nächste Woche tagenden Bezirksversammlung ausgesprochen, dem Entwurf seinen Segen zu geben. Das wird natürlich auch passieren, denn die Entscheidung war wohl schon zu dem Zeitpunkt getroffen, zu dem der Sanierungsbeirat das erste Mal informiert worden war.

Die einzige Chance, dieses Bauvorhaben noch zu verhindern, ist ein Bürgerbegehren, welche letzte Woche auch von der entsprechenden Bürgerinitiative gegen den Turmbau angemeldet worden ist. Doch zu diesem Thema irgendwann bei Interesse vielleicht mal mehr.

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