Über die Migration von Windows nach Linux

Da ich in einem knappen Monat als Systemadministrator meine Arbeit aufnehmen werde, in dieser Zeit sicherlich weitaus mehr mit UNIX– als mit Windows-Systemen zu tun haben werde und meine Kenntnisse auf diesem Gebiet nicht so umfangreich sind wie ich es gerne vor Arbeitsbeginn hätte, fasste ich vor einigen Tagen den Entschluß, wieder eine Linux-Distribution auf meinem Rechner zu installieren, um meine UNIX-Kenntnisse wieder aufzufrischen.

Ich hatte schon während meines Studiums und auch vorher Kontakt zu UNIX, da alle öffentlichen Uni-Rechner als UNIX-Clients aufgesetzt sind und wir auf diesen Rechnern unsere Programmieraufgaben lösen mußten. Darüber hinaus habe ich über ein, zwei Jahre einen eigenen Linux-Server (Redhat) als DSLRouter, File-Server und Webserver in meiner Studentenbude eingesetzt. Dessen Hardware ging dann irgendwann kaputt, und mir fehlte danach die Zeit und Lust, einen neuen aufzusetzen.
Überhaupt spielte Zeit und Lust bei der Migration von Windows nach Linux bei mir bisher eine große Rolle. Der Wille zu wechseln war per se immer da, nur kannte ich mein jeweils aktuelles Windows-System – inklusive der wenigen Macken – zu jeder Zeit blind. Probleme hatte ich bei Windows fast nie. Blue-Screens, Hänger oder kritische Hardware-Probleme kamen und kommen vielleicht einmal im Jahr vor und lassen bzw. ließen sich schnell lösen. Neuinstallieren tue ich in Abständen von 3-4 Jahren einmal, wenn sich die Hardware so drastisch ändert, daß das alte Windows damit nicht mehr zurecht kommt. Wenn Bekannte oder Verwandte mich zu einem ihrer Probleme befragten, kann und konnte ich oft nur staunen, was da alles auftrat und auftritt. Entweder bin ich in punkto Windows ein Glückskind oder ich gehe pfleglicher mit meinem System um. Ich habe keine Ahnung.

Jedenfalls verursachte jeder Wechsel nach Linux bei mir immer Probleme, für die ich zu dem Zeitpunkt entweder keine Lust (eher Prä-Studium-Ära) oder keine Zeit (eher Studium-Ära) hatte. Jedes Desktop-System lief nach der Installation unrund, mit nicht nur einem Problem. Ob das die ersten Slackware-, RedHat- oder SuSe-Distributionen Ende der Neunziger, die aktuelleren oder die heutigen (wie z.B. (K)ubuntu) waren. Alle verursachten Probleme und so wird es bei Linux wohl immer sein. Das liegt eben darin begründet, daß sich traurigerweise alle Hardwarewelt nach Windows richtet und die Linux-Community bei Treibern, etc. immer etwas hinterher sein wird.

Windows oder Linux. Was man auf seinem Heimrechner installiert, hat wohl auch immer etwas mit Religion zu tun. Meines Erachtens gilt: Wer pfleglich mit seinem System umgeht, kann sich auch ein stabil laufendes Windows-System basteln, das dem Nutzer nicht wöchentlich einen Bluescreen oder einen Absturz präsentiert. Auch bleiben Viren, Würmer und Ad-Ware ebenso Mangelware, wenn man auf den IE und Outlook verzichten kann und eine vernünftige Firewall sowie einen Virenscanner installiert. Wenn das alles beherzigt wird, kommt man schon sehr weit und kann problemfrei durch die Windows-Welt gehen.

Wenn man etwas weitergehendes Interesse mitbringt, kann man sich im Netz oder den gängigen Zeitschriften wie der c’t mit etwas Hintergrundwissen beschäftigen. Das Stoppen von unnötigen Windows-Diensten, die automatisch beim Systemstart gestartet werden, tiefgreifende Änderungen an der GUI wie der Wechsel vom Explorer zu einem anderen “Window-Manager”, etc. Wenn man das Interesse hat, kann man sich Windows sehr weitgehend an eigene Bedürfnisse anpassen.

Doch bleiben die Möglichkeiten bei Windows natürlich immer begrenzt. Wer die komplette Anpassungsfreiheit und Systemherrschaft haben will, kommt an Linux nicht vorbei. Auch in punkto Sicherheit wird Windows alleine durch seine Verbreitung immer hintenan sein. Jedoch wird meines Erachtens Linux immer ein System für die wirklichen Experten unter den Computernutzern bleiben. In Linux tiefgreifende Probleme zu lösen, kostet erstens Zeit und verlangt zweitens sehr oft wirkliches Systemwissen vom Nutzer. Wenn man die Zeit aber investiert, bekommt man als Ergebnis ein System, das einem sehr viele Möglichkeiten bietet. Auch lernt man durch den Einsatz von Linux sehr viel über das eigene System und die Hardwarewelt dazu. Man blickt also sozusagen über den Tellerrand hinaus.

Ich hoffe, der Beitrag klang jetzt nicht zu Pro-Windows. 🙂 Im Großen und Ganzen halte ich keines von beiden Systemen für das allgemein “bessere” Betriebssystem. Ich glaube, kein Betriebssystem wird sich das Wort “beste” jemals auf die Fahnen schreiben können. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Man sollte genau definieren, was man von seinem Betriebssystem erwartet und möchte. Dann kann man für sich die korrekte Entscheidung treffen, ob Windows oder Linux.

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